Das 27. Long Distance Race in Schwerin wird uns sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. Nicht nur wegen der anspruchsvollen 8,4 Kilometer langen Strecke, sondern vor allem wegen der vielen Hürden, die bereits im Vorfeld zu überwinden waren.
Insgesamt waren zwölf Mannschaften gemeldet. Doch nur drei Teams wagten sich mit dem 20er-Boot auf die lange Distanz. Schon die Vorbereitungen gestalteten sich schwierig. Uns fehlte an allen Ecken und Enden Personal, trotzdem entschieden wir uns, die Meldung aufrechtzuerhalten. Glücklicherweise erhielten wir Unterstützung von drei Paddlern aus unserem SH-Team, sodass die Hoffnung auf eine vollständige Mannschaft zunächst bestehen blieb.
Doch die schlechten Nachrichten rissen nicht ab. Nur wenige Tage vor dem Rennen erreichte uns eine weitere Absage aus den eigenen Reihen. Besonders ärgerlich: Es handelte sich um eine Paddlerin. Da die Frauenquote mit mindestens sechs Frauen vorgegeben war, standen wir plötzlich vor einem echten Problem. Als wäre das nicht genug, musste auch unser Team Captain Benny krankheitsbedingt absagen.
Also begann das große Telefonieren und Herumfragen: Finden wir noch eine Paddlerin? Bekommen wir kurzfristig einen Steuermann organisiert? Die Nervosität stieg von Tag zu Tag.
Mit gemischten Gefühlen machten wir uns schließlich auf den Weg nach Schwerin. Doch selbst die Anreise hatte ihre Tücken. Fahrgemeinschaften waren organisiert, aber bis zuletzt war unklar, ob tatsächlich alle einen Platz gefunden hatten. Fährt noch jemand mit dem Zug? Ist wirklich jeder versorgt?
Dann kam die nächste Überraschung:
„Kann mich jemand in Büchen abholen?“
Äh… Büchen?
Kurzzeitig wurde es noch einmal hektisch. Am Ende mussten wir darauf vertrauen, dass die öffentlichen Verkehrsmittel ihren Dienst tun würden. Und tatsächlich: Just in Time traf auch der letzte Mitfahrer rechtzeitig ein.

Also erst einmal durchzählen:
- Trommlerin? Check.
- Steuermann? Check.
- Paddlerinnen? Check.
- Paddler? Naja, ein paar mehr wären schön gewesen.
Nach einem kurzen Gespräch beim TC Meeting bekamen wir zusätzliche Unterstützung aus der LTD-Crew und vom Niveauboot.
Vielen Dank an Tobi, an seine Mannschaft und dem DBV!
Plötzlich sah unser Boot doch wieder erfreulich voll aus und wir konnten optimistisch auf den Start blicken.

Vorher stand allerdings noch das Einschwimmen auf dem Programm. Dafür ging es hinaus auf den Schweriner Innensee.
Puh … ganz schön Welle hier.
Sofort wurden Erinnerungen an unsere Erlebnisse in Rostock wach, wo Wind und Wellen uns schon einmal ordentlich zugesetzt hatten. Die bange Frage ließ deshalb nicht lange auf sich warten:
„Haben wir Schöpfen an Bord?“
„Ja.“
„Gut.“
Dann konnte es losgehen.

Im Stangengraben an der Startlinie war es nahezu windstill. Als drittes Boot gingen wir mit einer Minute Abstand auf die Strecke. Vielleicht etwas zu motiviert legten wir direkt einen kleinen Frühstart hin, bevor wir dann offiziell auf die Reise geschickt wurden.
Von Beginn an lief es überraschend gut. Der Rhythmus stimmte, die Stimmung ebenfalls. Durch den Heidsee ging es in den Werderkanal und weiter auf den Ziegelsee. Zwischendurch wanderten immer wieder die Blicke nach vorn. Wir lagen gut im Rennen und waren mit unserer Leistung zufrieden.
Dann kam sie.
Die berüchtigte Sandbank.
Und die hatte es in sich.
Plötzlich wurde das Boot spürbar langsamer. Unser Steuermann fluchte nicht grundlos, denn auf einmal lagen wir quer zur Fahrrichtung. Nichts ging mehr. Wir mussten stoppen und mehrere Rangiermanöver fahren, bis wir wieder frei waren und Kurs aufnehmen konnten.
Mist.
Das kostete nicht nur Zeit, sondern auch Nerven.
Es dauerte eine Weile, bis wir den Vorfall mental verarbeitet hatten und wieder mit voller Kraft paddelten. Nach der Umrundung der Insel machten wir uns auf den Rückweg.
Dort wartete bereits die nächste Herausforderung.
Der Wind kam nun direkt von vorn. Mit ihm kamen die Wellen. Auf dem See herrschte außerdem reger Verkehr. Als dann auch noch die Bugwelle eines Motorbootes über uns hereinbrach, wurde endgültig klar: Geschenkt bekommt heute niemand etwas.
Also kämpften wir weiter.
Zwischendurch wurde geschöpft, die Kommandos wurden lauter und jeder gab noch einmal alles. Meter um Meter arbeiteten wir uns Richtung Ziel.
Erschöpft, aber glücklich erreichten wir schließlich den Stangengraben. Die Zuschauer begrüßten uns mit Applaus und aufmunternden Zurufen. Nach den Strapazen tat dieser Empfang besonders gut.
Erst einmal legten wir uns trocken, während die weiteren Rennen des Tages starteten. Neben der langen Distanz für die 10er-Boote standen noch die Kurzstreckenrennen über 1,2 Kilometer im 20er- und 10er-Boot auf dem Programm. Auf dem Wasser war also weiterhin jede Menge Betrieb, bis schließlich die Siegerehrung begann.

Die Ergebnisse
🥇 1. Platz – Flying Turtles
43:51,71 Minuten
🥈 2. Platz – Wikinger Sunshine
44:18,06 Minuten
🥉 3. Platz – Unser Team
44:35,37 Minuten
Auch wenn uns die Begegnung mit der Sandbank sicherlich einige wertvolle Zeit gekostet hat, können wir mit diesem Ergebnis mehr als zufrieden sein. Der Abstand zum zweiten Platz betrug nur rund 17 Sekunden, zum Sieg fehlte weniger als eine Minute. Betrachtet man die vielen Schwierigkeiten der Wochen vor dem Rennen, die kurzfristigen Ausfälle, die zusammengestellte Crew und die anspruchsvollen Bedingungen auf dem Wasser, fühlt sich dieser dritte Platz fast wie ein kleiner Sieg an.

Am Ende bleibt die Erkenntnis:
Manchmal sind es nicht die Platzierungen, die einen Renntag besonders machen. Es sind die Geschichten dahinter. Die kurzfristigen Ausfälle. Die spontanen Helfer. Die Improvisation. Die Sandbank. Die Wellen. Und vor allem der Teamgeist.
Trotz aller Widrigkeiten standen wir am Start, kämpften uns über 8,4 Kilometer durch Wind, Wellen und Hindernisse und erreichten gemeinsam das Ziel.
Und genau deshalb war das 27. Long Distance Race in Schwerin 2026 für uns ein voller Erfolg. 🚣♀️🚣♂️💪🏆
Text: Heike + KI

Das ist ein schöner Text, danke Euch Beiden,…😊🫣
Das war ja mal wieder etwas was uns auch auszeichnet. Immer mal wieder etwas anders machen und kämpfen, zusammenhalten …
Ich hoffe bald auch mal wieder im Boot zu sitzen.
Viele Grüße auch an die „neuen“ Teammitglieder und ein großes Dankeschön für die Unterstützung.
Olaf