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Herbstsonne – Inselcup Schellhorn

26.10.2013

Die Inselcups sind keine eigentlichen Wettkämpfe. Es sind gemeinsame Trainings mit befreundeten Mannschaften. Man kennt sich, kann die anderen etwa einschätzen und es ist alles ein wenig weniger Ernst und eher ungezwungen. Das ist so vor dem Start und nach dem Zieleinlauf. In Lübeck sind wir nach einem sensationellen Zweikampf mit den Capybaras  vierter  von vier Teams geworden und das, nachdem wir zuvor drei Wettkämpfe in Folge gewonnen haben. Nicht nur schön. Wir hatten also eine Rechnung zu begleichen. Mit uns selbst.

Besonders an diesem Tag, wir haben unser Boot mitgenommen. Und noch spannender: Das Boot kann jetzt fliegen. Es wurde mit einem kleinen Kran ins Wasser gesetzt. Super Sache! Voll beladen sind wir dann zum Zeltplatz gepaddelt. Den Eseln haben wir gewunken und ein wenig die schöne Gegend bewundert.

Vor dem Start haben wir uns wie immer warm gemacht und es gab eine kleine Ansprache. Till wies lediglich darauf hin, dass wir alle können, was wir gleich machen werden.  Mit 16 Paddlern und dem tollen Steuermann Jürgen, der den See und seine Tücken hervorragend kennt, sind wir dann zum Start gefahren. Nervosität, kleine Wellen auf dem Wasser, leichter Wind und Sonne. Was wird uns heute erwarten? Ein kleiner Vorteile für uns, wir durften von Bahn eins und damit der Innenbahn starten.

Are you ready? Attention! Go!

Und schon ging es los. Mit unserem Start gut wegkommen und dann in einen guten Streckenschlag finden. Auf dem ersten Teilstück wurde hart gekämpft. Kopf an Kopf mit 1-19 Helgoland und den Capybaras. Mal das eine Team ein Stück weiter vorn, dann das andere. Das Wasser spritzte mir von dem anderen Team ins Gesicht, ein schöne Abkühlung. Sollten so die 8,7 km verlaufen? Ein Kopf an Kopf Rennen? Lübeck 1.1. Bitte nicht. Ich habe versucht meinen Kopf auszuschalten. Unser Steuermann hat uns angefeuert, gab Anweisungen, die unser Schlag dann auch gleich umgesetzt hat. Mit Manja hatten wir ja auch eine Paddlerin, die mit dem See vertraut ist.

Die ersten Wendetonnen in Sicht. „Ruht euch aus, teilt euch eure Kräfte ein, wir brauchen diese um gleich sauber aus der Kurve zu kommen.“ kommt von unserem Steuermann. Dort standen auch ein paar Zuschauer und haben angefeuert.

Und dann die Ansage, raus aus der Kurve, baut Druck auf! Gesagt, getan. Auch wenn es schon schmerzte. Plötzlich sind die anderen Boote nicht mehr an unserer Seite. Eine halbe Bootslänge Vorsprung. Jetzt gilt es, die Fahrt beibehalten, sauber fahren und dem Wind und den Wellen trotzen.Wenn eine Welle von der Seite kam, wurden wir gleich gewarnt. Immer wieder die Kommandos von unserm Steuermann. Plötzlich zwei Bootslängen Vorsprung. Konnte das wirklich sein? Ich wollte es nicht glauben. Bei abfallendem Druck kamen auch aus unseren Reihen Ansagen. Es wurde immer härter.

Da wieder eine Wendetonne in Sicht und waren das Steine, die aus dem Wasser ragten? Auf Bank zwei hinter Till habe ich eigentlich nur Schultern gesehen. Aber wem dem so war, dann hatten wir wohl ¾ der Strecke geschafft. Dann eine größere Insel, ich hörte die anderen Teams wieder. Waren sie ran gekommen oder lag es daran, dass wir eine Wende fuhren? Hinter der Insel ging nichts, ich dachte wir bleiben gleich stehen und dann diese stehende Luft. Kämpfen, noch einmal Druck aufbauen.

Jessy neben mir fragt: „haben wir die Hälfte gleich geschafft?“ Manja schreit: „Nein! Wir sind gleich durch! Weiter so, halte durch.“ Das hat mich noch einmal so richtig motiviert. Aber was heißt gleich durch? Unser Steuermann sagt, dass der Abstand größer geworden ist und dass sich die Capybaras und 1-19 Helgoland einen Kampf liefern.

Es geht wohl in die Bucht, der Wind kommt von hinten, wir sollen die Wellen ausnutzen, uns tragen lassen. Schöne lange Schläge fahren, saubere Technik. Und dann kommen wir am Bootshaus vorbei. Von irgendwo hört man eine Vuvuzela.. Der Steuermann kann schon das Ziel sehen.

Die letzten Meter. Wir beschleunigen, einen eigentlichen Endspurt braucht es aber nicht. Was für ein tolles Gefühl nach so einer anstrengenden Strecke als erster ins Ziel zu kommen. Geschaft. Ein paar Erleichterungsschreie, sich gegenseitig beklopfen. Unser Boot dreht, wir warten auf die anderen.

1-19 Helgoland und die Capybaras nähern sich der Ziellinie. Ein Kopf an Kopf Rennen bis zum Schluss. Keine Ahnung welches Team den zweiten Platz erreicht hat. Zu dritt warten wir auf das vierte Team. ETV und Gut Heil Neumünster. Alle Teams feiern zusammen auf dem Wasser. Paulas Luftaufnahmen sind der Hammer.

Aus den Booten aussteigen und abklatschen. Bei allen Teilnehmern ist ein Lächeln auf den Lippen. Gemütlich lassen wir das Rennen ausklingen und dann die Siegerehrung. Platz 2 war ja noch nicht klar. Im Folgenden einmal das Ergebnis.

  1. Wakenitz Drachen 43:12:04
  2. 1-19 Helgoland 43:59:59
  3. Capybaras 44:00:52
  4. ETV und Gut Heil Neumünster 47:07:22

Ein toller Tag unter vielen netten Leuten und auf einer schönen Strecke, glaube ich zumindest. Die Boote mussten alle wieder zurück gebracht werden. Das war noch mal ein Erlebnis. Allein das Anlegen am Steg war eine Herausforderung bei der Strömung und dann wurden die Boote wieder raus gehoben.

Vielen Dank an alle. So eine Trainingseinheit unter Wettkampfbedingungen ist doch immer wieder eine schöne Herausforderung.

Annika  und ein paar Zeilen von André

Das zum Wettkampf selbst. Danke an Olaf. Olaf – wir kannten ihn vorher nicht- hatte verschiedene Jobs, die unseren kleinen Ausflug erst möglich gemacht haben. So hat er die Drachenboote ins Wasser gesetzt (sowas machen wir zu Hause per Hand) und sie dann später auch wieder aus dem Wasser geholt. Anstatt wie sonst nach einem Wettkampf nach Hause zu fahren, haben wir noch helfen dürfen (und ich meine Dürfen), Boote aus dem Wasser zu holen und unterzubringen. Olaf hat  im Start und später leicht versetzt im Ziel mit seinem  Fahrzeug eine Aussichtsplattform installiert, auf der zwei Mädchen standen: Eines hat fotografiert, das andere Videos gemacht. Das tun wir (ich) zu Hause vom Ufer aus. Die Fotos aus dieser Perspektive sind besonders. Danke dafür.

Wenn ich schon mal beim Danke-Sagen bin: Jürgen, unser Steuermann. Jürgen saß im oben erwähnten Lübecker Debakel im Boot neben uns, im Boot der Capybaras, also in dem, gegen welches wir so knapp und unter Aufbringung aller Kräfte verloren haben. Ich sitze links, er rechts. Ich kann mich noch gut an seine Sprüche während des Lübecker Rennens erinnern „die sind am Ende…“.

Ich bin fast sicher, dass wir heute auch gewonnen haben, weil wir das Rennen taktisch gefahren sind. Ich paddle schon ein paar Jahre. Ein Steuermann sieht es -wie eine Trommlerin auch- als seine Aufgabe an, die Mannschaft zu Höchstleistungen zu bringen. Das wird gemacht, indem einem lautstark der Eindruck vermittelt wird, man fahre nur mit einem Bruchteil seiner Energie und möge bitte sofort anfangen, Vollgas zu geben. Das will man aber nicht hören, wenn man schon das Gefühl hat, gleich an Erschöpfung zu sterben. Jürgen ist anders. „Das sieht gut aus, nur die Geschwindigkeit halten“ „Die machen jetzt Krach, lasst sie ruhig, sollen sie sich kaputt machen“ „ Fahrt schön euer Tempo“ „Lange nicht so harte Schläge, wir fahren mit der Welle“ „Spart Eure Kräfte, für die Wende brauchen wir sie“ Kräfte sparen? Unser Tempo fahren, statt am Limit? In fünf Jahren nicht einmal gehört. Es hat funktioniert, wie man sieht.

Wir freuen uns wie immer über Kommentare

Unsere Fotos sind hier

 

12 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Ach, ich wäre sooo gerne dabei gewesen…
    Eine tolle Leistung und auch ein verdienter Sieg! Ihr seid Spitze!!!
    Ich freue mich jetzt schon auf das Rennen in RD!!!

    Wie immer ein superschöner Bericht. Die Bilder sind auch Spitze.

    LG Michi

  2. Hi Drachen und Freunde!
    Der Bericht und die Fotos sind wirklich sehr schön.
    Ich möchte allen Teams zum gemeinsamen Training gratulieren und hoffe das besonders Wir aus dem Wellensee unsere erkentnisse ziehen.
    Also entspannt weiter zum nächsten Insel Cup und dann mit Freunden eine Runde drehen.
    Um danach noch einmal frisch gestärkt nach HH zum Niko-DrachenCup zu fahren.
    Danach ist die Saison 2013 für uns beendet und wir können uns auf 2014 freuen.
    Liebe Grüße an alle Sportler vom Urlauber
    Benny

  3. Hallo Leute,
    ich ich hab mich noch nicht mal bei unseren Leuten bedankt.
    Wenn ich diesen tollen Bericht lese ,muß ich aber wohl bisschen rote Ohren kriegen.
    Viel wichtiger ist es erst mal Danke zu sagen für die tolle Unterstützung.
    Wenn ein Tag der mit Unwetterwarnungen und Absagen begonnen hatte.
    In strahlendem Wetter und strahlenden Gesichtern endet ,weis man wofür man das alles macht.
    Also nochmal Danke auch fürs Aufräumen und dann bis morgen.
    Gruß Jürgen

    PS .um Bilder und Videos kümmer ich mich morgen

  4. So eine Oktoberrevolution lasse ich mir gefallen!
    @ Manja: War das schön da!
    So ein tolles Wetter. Danke Petrus!
    So ein toller See. Danke Eiszeit!
    So ein tolles Team. Danke mein Team!
    So ein guter Steuermann. Danke Jürgen!
    So ein tolles Rennen. Danke alle Teams!
    So leckere Würstchen. Danke Grillmeister und eine schöne Zeit in Australien!
    So tolle Bilder. Danke Paula, danke André!
    So treffender Bericht. Danke Annika!
    So nette Esel.
    War das schön da!

    Beste Grüße, Kay.

  5. Was für ein Tag! Wer hätte gedacht, dass wir diesmal mit einem so komfortablen Vorsprung als erster ins Ziel kommen und auf dem letzten Drittel das Rennen von vorne steuern, wie es sonst nur ein Usain Bolt macht? Dabei fingen die ersten 1200 Meter so an, wie die 10km in Lübeck endeten und alle im Boot befürchteten vermutlich, dass sich dieses Drama wiederholen könnte. Dem Glück der Innenbahn und der vorausschauenden Kommandos unseres Steuermanns haben wir glaub ich eines der taktisch besten Rennen gefahren, an das ich mich erinnern kann. Danke Jürgen!! Wenn man eine ständige Schilderung der Geschehnisse auf dem Wasser bekommt „Welle von links, noch 300m Kabbelwasser, zwei Bootslängen Vorsprung …“ dann kann man sich wirklich sehr gut auf das noch Kommende konzentrieren.

    Vielen Dank für diesen schönen Tag!! 🙂

  6. Das Ende des Zieleinlaufs ist zu empfehlen … da fand offensichtlich keine redaktionelle Nachbearbeitung statt 😉

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